Sonne! Nach zwei Fahrtagen im kargen Hochland wollen wir heute hier etwas unternehmen. Der große Gletscherfluss mit seinen Raftinganbietern soll es jedoch nicht sein. Wir wollen den Islandpferden zuleibe rücken. An der Zeltplatz-Rezeption empfiehlt man uns Lytingsstadir. Evelyn ist die deutsche Chefin, wir telefonieren und vereinbaren eine Zwei-Stunden-Tour. Kosten für drei Personen (Epi will partout nicht) sind 27.000 Kronen oder knapp 220 Euro.Start ist 14 Uhr. So können wir entspannt packen und Postkarten sowie Tagebuch schreiben.
Pünktlich sind wir am Hof, erledigen die Formalitäten und starten mit Caro als Guide den Ausritt. Das Interessante an Islandpferden (auf keinen Fall Ponys) sind ja bekanntlich die vierte und fünfte Gangart, Tölt und Pass. Für uns sind aber vor allem die hohe Farbvarianz und auch die Freilandhaltung in Herden beeindruckend. Tatsächlich werden nur die guten Tiere zum Reiten und zur Zucht verwendet. Die anderen sind einjährig ganz normal Fleischlieferanten.
Die Tour führt ins Gelände in schöner Landschaft. Wiese, Felsformationen und Bachquerungen wechseln sich ab und Caro versorgt uns mit vielen interessanten Pferdedetails. Wir sind nach zwei Stunden hoch zufrieden. Übrigens ist unsere liebste Gangart der Galopp!
Dann geht es weiter Richtung Küste und wir genießen den Anblick des Nordmeeres, türkisfarben in der Sonne und eine schroffe Steilküste. Angepeilt ist Siglufjörður, die nördlichste Stadt Islands. Wir fahren nicht den direkten Weg auf der 75 sondern biegen vorher auf die 802 ein um eine im Reiseführer empfohlene heiße Quelle zum Baden aufzusuchen. Den Hot Tub finden wir nicht, jedoch ist die Strecke eine wundervolle Piste durch ein beeindruckendes Tal bis Ólafsfjörður. Dann durch zwei 7 und 4 Kilometer lange Tunnel und um 18 Uhr erreichen wir Siglufjörður, den ersten Ort auf Island, der für uns eine gewisse Ausstrahlung besitzt. Dafür reichen ein kleiner Hafen und mehrere instand gehaltene historische Gebäude, nicht verbaut durch geschmacklose Betonbuden. Wir genehmigen uns zum ersten Mal einen Restaurantbesuch – im Hafencafé. Später schauen wir im Zelt den Rest von HP7-2.
Nur einmal werden wir unterbrochen, als der Motor des Wohnmobils nebenan gestartet wird, wohl um den Fernseher mit Strom zu versorgen. Leider bläst das Auspuffrohr seine Abgase direkt in unserer Zelt! Nach energischer Intervention wird der blubbernde Diesel wieder abgestellt und wir können den Abend ohne Kohlenmonoxidvergiftung beschließen. Leider reicht die Energie nicht mehr, um der aufspielenden Band im Saal des Restaurants beizuwohnen… Die Stimmung reicht aber bis zu uns.






